CRPS-Selbsthilfe.de

Besser leben mit CRPS, chronischen Schmerzen und Behinderung


Erfahrungsberichte

Diesen Text schrieb ich im Anschluss an meine komplexe stationäre Schmerzreha im Unfallkrankenhaus Berlin Marzahn im Februar 2018. Ich hatte ihn als Beitrag für die Seite der Berliner Sudeck-Selbsthilfe verfasst, die auf diesem Wege gerne verlinke: https://www.sudeck-berlin.de/


Ich kam im Februar 2018 in den Genuss der Multimodalen stationären Schmerzreha im Unfallkrankenhaus Berlin Marzahn (UKB). Diese dauerte drei Wochen. Die Schmerzpatienten bildeten eine Vierergruppe, von denen ich der einzige mit CRPS war. Die Mitpatienten hatten allerdings, durch ihre erlittenen schweren Verletzungen, ähnliche Schmerzprobleme und Symptome. (Arm abgerissen und wieder angenäht, zerschmettertes Bein nach Autounfall etc.).


Geleitet wird die Schmerzreha von den Oberärzten der Schmerzambulanz Dirk und Steffen Schröder. Hier bekam ich letztes Jahr auch die CRPS-Diagnose. (Anmerkung: Dr. Schröder ist mittlerweile woanders). Diese sind jederzeit neben dem wöchentlichen Fix-Termin bei Problemen oder Fragen erreichbar. Die Atmosphäre ist sehr familiär und die Patienten werden wie Gäste behandelt und finden jeder Zeit ein offenes Ohr. Medikamente sind kein Thema. Während der gesamten Reha wird an funktionierenden Medikationsplänen nichts geändert. Untergebracht wird man in einem der UKB-Gästehäuser, in denen es auch barrierefreie Zimmer gibt, von denen ich eins bewohnen durfte. Essen gibt es im U-Café, einem Restaurant außerhalb der Klinik. Das Essen ist sehr ordentlich und reichlich und zum Glück weit entfernt vom üblichen Krankenhausessen. Ende 2020 sollte der Neubau der Rehaklinik fertig sein, der dann alles unter einem Dach vereint.

Großes Therapieangebot

Unterstützt werden die Ärzte von den Psychotherapeuten bei denen es täglich ein Einzelgespräch und eine Gruppensitzung gibt, sowie die Entspannungstherapeuten. Reiki ist hier Pflichtprogramm für Schmerzpatienten, die es auch fast alle toll finden. Angeboten wird zudem Muskelentspannung nach Jacobsen, autogenes Training, Bio-Feedback, Chi Gong, Akupunktur und TCM, Blutegel, Klangschalenmassage, Atemtherapie, Yoga, Bogenschießen et cetera. Hier kann jeder ausprobieren, was ihm am besten bekommt und entsprechende Tiefen-Entspannung bringt. Auch Genusstraining steht auf dem Programm, was hauptsächlich aus einer kleinen Einkaufstour und einem tollen gemeinsam zubereiteten Mittagessen in der Reha-Küche bestand.


Die Psychotherapeuten sind zumeist qualifiziert als Trauma- und Schmerzpsychotherapeuten. Und hier geht es nicht um Psychoanalyse und dergleichen. Sondern darum, die Ursachen und Wirkungen der Schmerzen zu bestimmen und Strategien dagegen zu entwickeln. Stress-Ursachen, Stress-Bewältigung, Selbstwahrnehmung und schmerzverstärkende Gedankenmuster sind immer ein Thema. Zusätzlich arbeiten die Psychos mit Entspannungstechniken wie Gedankenreisen und speziellen Atemtechniken.

Hervorragende Therapeuten

Zusätzlich gibt es Physiotherapie, Ergotherapie, Osteopathie und die ganze Palette an physikalischer Therapie und medizinischer Trainingstherapie. Viel konnte ich dort nicht machen, da rechter Fuß und Unterschenkel sehr empfindlich sind und fremde Berührung nicht tolerieren. Dafür hat man sich umso besser um meine entzündete Schulter und Ellenbogen gekümmert und dort auch wieder einigermaßen schmerzfrei hinbekommen.
Da ich mittlerweile Rollifahrer bin, durfte ich auch am Rollitraining für die ‚Gelähmten‘ teilnehmen. Hier kann man Promis wie Wolfgang Schäuble oder Annika Vogel treffen, die ebenfalls im UKB ihr Trainingsprogramm absolvieren. Der Trainer empfahl mir wegen meiner Schulterprobleme ein Handbike auszuprobieren, was in der Rehatechnik des UKB kein Problem war.


Die Reha ist sehr fordernd und auch sehr anstrengend. Es geht morgens gegen halb neun los und endet um 16 Uhr. Zwischendurch gibt es Mittagessen. Die Rehapläne werden auf jeden Patienten jeden Tag neu abgestimmt und werden bei Extrawünschen auch geändert.

Fazit: anstrengend und hilfreich

Mein Fazit: CRPS-Patienten werden bei der Schmerzreha im Unfallkrankenhaus Berlin sehr ernst genommen. Die Krankheit ist dort ein oft gesehenes Problem. Sie wird von den Therapeuten sehr aufmerksam in allen Facetten erkundet und mit gebotenem Respekt behandelt. Man muss nichts machen, was einen körperlich oder seelisch überlastet und kann jederzeit um eine Pause bitten. Man muss allerdings bereit sein, sich auf diverse neue Sachen einzulassen, wie auf einige, zum Teil esoterisch anmutende, Techniken à la Reiki. Auch die oft beobachtete Scheu von CRPS-Betroffenen vor der Psychotherapie sollte man tunlichst ablegen. Hier geht es um konkrete Informationen und Anleitungen, den Schmerz ohne oder mit weniger Medikamenten zu bewältigen. Zum Beispiel durch Tiefenentspannung, was bei mir schon ganz gut funktioniert.

Zusätzlich zum CRPS (G90.71) bekam ich dort im Abschlussbericht die Diagnosen F45.41 (chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren) und eine F43.1 (Posttraumatische Belastungsstörung). Für die empfohlene weitergehende Psychotherapie bekam ich bereits eine Woche nach der Reha einen Therapeuten in meiner Nähe empfohlen. Mit dem ich bis heute sehr zufrieden bin. Ich habe rund zwei Wochen gebraucht mich zu Hause von der Reha zu erholen. Aber ich habe viele gute Impulse bekommen, wie ich in Zukunft mit den Schmerzen verhandeln kann. Ein Weg den ich weiter beschreiten werde. So schleiche ich gerade das Oxycodon aus, da es mir effektiv nichts gegen die CRPS-Schmerzen gebracht hat.

Leider nur für BG- und Privatpatienten

So anstrengend es auch ist, kann ich die Schmerzreha im UKB empfehlen. Es ging bis an meine Grenzen. Dennoch habe ich viele gut Ideen mit nach Hause genommen, die ich nach und nach versuche umzusetzen. Wer die Schmerzen besiegen möchte, muss sie erst verstehen lernen und einiges in seinem Leben ändern. Vertrauen auf Heilung durch Medikamente und Therapien ist bei CRPS leider zu kurz gegriffen. Nicht umsonst ist es ein ‚Komplexes‘ Schmerzsyndrom.


Der große Nachteil der UKB-Reha ist jedoch, dass hier ausschließlich BG-Patienten aufgenommen werden. Kassenpatienten müssen hier leider mal wieder in die CRPS-Röhre des Unwissens und der Fehlbehandlung gucken. Desgleichen für die CRPS-Sprechstunde in der Unfallbehandlungsstelle (UBS) in Wilmersdorf, wo ich bestens behandelt werde.

Links:

Schmerzmedizin im Unfallkrankenhaus Berlin

CRPS-Sprechstunde in der Unfallbehandlungsstelle Berlin

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